Geschichten zum Caféhaus

Kaffeetasse im schwäbischen Caféhaus

„Es stellt eine Institution besonderer Art dar, die mit keiner ähnlichen der Welt zu vergleichen ist. Es ist eigentlich eine Art demokratischer, jedem für eine billige Schale Kaffee zugänglicher Klub, wo jeder Gast für diesen kleinen Obolus stundenlang sitzen, diskutieren, schreiben, Karten spielen, seine Post empfangen und vor allem eine unbegrenzte Zahl von Zeitungen und Zeitschriften konsumieren kann. Täglich saßen wir stundenlang, und nichts entging uns.“
– Stefan Zweig

Den Kaffeehäusern ist als besonderer Verdienst anzurechnen, dass sie das Wissen popularisierten und Gastlichkeit mit aufklärerischem Nutzen verbanden. Durch die Erfindung der Zeitung sowie die Etablierung der Post sind sie die Wiege der heutigen Printmedien. Die Möglichkeit des öffentlichen, mehr oder weniger gelehrten Diskurses trat aus den höfischen Zirkeln heraus, die ihn bis dahin ausschließlich kultiviert hatten, und wurde auch für Bürger möglich. Dazu gehört auch die Entstehung eines neutralen öffentlichen Ortes, der als Treffpunkt fungieren konnte (siehe auch Button’s Coffee-house). Ohne diese Voraussetzungen sind wohl weder die Lesemanie des Biedermeier noch die neu aufkommende Briefkultur denkbar. Auch bildeten die Coffee houses den Anstoß für die Lesegesellschaften des 18. und 19. Jahrhunderts, die sich der Förderung von Tugend und Geschmack verschrieben wie etwa die „Gesellschaft der Mahlern“ von Johann Jakob Bodmer in Zürich, der auch, von Spectator und Tatler beeinflusst, regelmäßig die „Discourse der Mahlern“ publizierte. Diese Lesegesellschaften ersetzten in Deutschland die englischen Clubs, ebenso wie diese mit festem Besucherkreis, jedoch ausschließlich auf seriöse Diskussion ausgerichtet. In Österreich wiederum entstanden Lesekabinette, die meist von Buchhändlern getragen waren und aus den Buchkabinetten innerhalb der Kaffeehäuser hervorgingen.

Die Kaffeehäuser waren auch ein Ort, an dem Spiele praktiziert wurden, insbesondere Schach. Es gab sogar fest angestellte Profis, die gegen die Besucher um einen Einsatz spielten. Der Begriff Kaffeehausspieler wird auch heute noch für Schachspieler verwendet, die einen riskanten Stil pflegen.

Das Kaffeehaus ist auch der Ursprung des Postwesens („Penny Post“), die ersten Postfächer richtete man sich in seinem Stammcafé ein. Die erste Versicherung ging auf eine Geschäftsidee des Londoner Kaffeehauses Lloyd’s zurück, in dem sich Kaufleute trafen und ihre Risiken zu minimieren suchten, indem sie ihre Schiffsladungen aus den Kolonien gegen Havarie versicherten. Ebenso bedeutend sind die Cafés hinsichtlich der Entwicklung der Zeitung. Der Tatler (von Daniel Reed bis 1711 herausgegeben), der Spectator (Joseph Addison und Reed, die Redaktion saß im „Button’s Coffee-house“), später weitere Gazetten erschienen täglich und vereinten Berichte über Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft ganz ähnlich, wie es heute noch der Fall ist.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Cafe